Re: Thomas Metzinger: Der Ego-Tunnel


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Abgeschickt von Klemens Taplan am 20 November, 2009 um 18:41:21:

Antwort auf: Re: Thomas Metzinger: Der Ego-Tunnel von Helmut Pfeifer am 17 November, 2009 um 22:35:49:

Hallo Herr Pfeifer,

zu den Themen „Freier Wille“ und „Ich“ bleibt – trotz aller Erkenntnisse - die Aussage von Wolf Singer aus meinem Startbeitrag weiterhin aktuell:

„Wir sind gespalten zwischen dem, was wir aus der Erste-Person-Perspektive über uns wahrnehmen, und dem, was uns wissenschaftliche Analyse aus der Dritte-Person-Perspektive über uns lehrt“.

Ihrer Aussage, dass das Selbst von der Existenz eines Gedächtnisses abhängig ist, würde ich voll zustimmen. Was wäre ein Selbst ohne Gedächtnis? Was würde übrig bleiben?

In meinem Beitrag vom 23.10.2009 hatte ich das Thema „Quantenphysik und Freier Wille“ angesprochen. Nicht nur Frank Tipler, sondern auch Paul Davies (Gott und die moderne Physik) hat sich mit diesem Thema beschäftigt. Er schreibt, dass Quanteneffekte vermutlich zu klein sind, als dass sie auf der neuronalen Ebene Einfluss auf die Gehirntätigkeit nehmen könnten. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang den Hinweis von Herrn de Neidels, dass Doppelspaltexperimente auch schon erfolgreich mit Fullerenen (komplexe Gebilde aus Kohlenstoffatomen) durchgeführt wurden. Da stellt sich die Frage, wo die Grenze zwischen Quantenphysik und klassischer Physik verläuft.

Zu Wetterprognosen kann man sich 2 Fragen stellen: 1) Was ist praktisch möglich? und 2) Was ist prinzipiell möglich? Praktisch hängt alles davon ab, wie genau die Anfangsbedingungen erfasst werden, wie nah das mathematisch/physikalische Modell an der Realität liegt und wie leistungsstark die Computer sind. Hier halte ich in Zukunft noch einiges für machbar – aber sicherlich keine Langzeitprognosen, die mir z.B. genau angeben, ob es in Bonn im Umfeld des Hauptbahnhofes am 20.11.2010 regnen wird. Die physikalischen Einflussgrößen wird man nie so umfassend und zutreffend erfassen können, dass nicht noch kleinste Unstimmigkeiten in den Anfangsbedingungen zu gewaltigen Änderungen in den Ergebnissen führen können (Schmetterlingseffekt).

Wir kennen die Realität nicht. Gleichwohl ist – aus dem Blickwinkel der Evolution – die Vermutung begründet, dass unsere Erfahrungswelt nahe an der Realität liegt, sonst könnten wir nicht einen Tag überleben. Trotzdem kann – auch wenn es paradox klingt - die Realität etwas ganz anderes sein, als wir uns in unseren kühnsten Träumen ausmalen können.

Mit freundlichen Grüßen
K.T.




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