Der Sinn des Lebens


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Abgeschickt von Peter Niemann am 27 August, 2011 um 22:29:37

Sehr geehrte Forumbesucher ,

ich danke für die Antworten,fühle mich allerdings nicht hinreichend verstanden. Schade, daß der Marc sich nicht mehr meldet.
Deshalb erstmal - sorry - noch ein anderes Diskussionsthema, falls es noch diskussionswürdig ist. Für die meisten Menschen, übrigens unabhängig von ihrem Bildungsgrad (!), dürfte es längst abgehakt sein. Für Hoimar von Ditfurth war es das nicht: Der Sinn des Lebens.

Was ist der Unterschied zwischen einem Krokodil? Je grüner, desto beißt. Und zwischen einem Storch? Beide Beine sind gleich lang, nur das rechte ist länger.
OK. Und was ist der Sinn des Lebens?

Wenn bereits eine Fragestellung einen Irrtum enthält, dann können die sich daraus ergebenden Antworten nur noch größere Irrtümer sein.

Denn Sinn meint immer Sinn von etwas für etwas anderes, dessen Sinn unstrittig ist. Was ist hier das andere? Etwa wieder das erste?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit einer Frage umzugehen: Entweder man beantwortet sie richtig oder man beantwortet sie falsch oder man beantwortet sie aus Unwissenheit nicht. Oder man verzichtet aus Einsicht in die Unsinnigkeit der Frage auf eine Antwort.
Wenn man nun aber auf eine Frage, die einen immer wieder quält, absolut keine Antwort finden kann - dann gibt es noch eine letzte Möglichkeit: Man macht sich eine und glaubt daran. Und kann nur hoffen, daß das Segeln nach einer am Bug befestigten Bake nicht im Crash endet.

Aber was ist denn nun der Sinn des Lebens, denn so, wie ich die Frage bis jetzt mißverstanden habe, ist sie ja garnicht gemeint?
Wir wissen es nicht. Woher sollen wir es wissen? Wir haben das Leben nicht geschaffen. Wir wissen noch nicht einmal, ob es überhaupt "erschaffen" wurde. Wir haben doch garnicht den "Überblick".
Haben wir dann überhaupt die Kompetenz, eine solche Frage zu beantworten? Ist nicht schon der Versuch dazu eine Anmaßung?
Das bedeutet dann aber, daß sowohl die Aussage "Das Leben ist sinnvoll" als auch - um das sehr klar zu sagen - die Aussage "Das Leben ist sinnlos" keine Grundlage hat.

Hoimar von Ditfurth beantwortet die Frage, ob es da einen für uns erkennbaren Sinn geben muß, mit ja, obwohl vielleicht schon die Fragestellung einen Irrtum enthält. Aber warum stellt sich uns die Frage überhaupt?
Etwa, weil die Grundanschauung, aus der die Frage hervorgegangen ist, auch schon einen Irrtum, zumindest aber einen weit über unser Erfahrungswissen hinausgehenden Glaubenssatz enthält? Ich habe die Erfahrung gemacht, daß man in diesem Bereich am Ende immer zu der Erkenntnis kommt, die man zur Voraussetzung gemacht hatte. Hätte man das Gegenteil zur Voraussetzung gemacht, wäre eben dies zur "gesicherten Erkenntnis" geworden, zur "Glaubensgewißheit".

Darf man eine Antwort bereits mit Einzelheiten ausstatten, bevor man sie einigermaßen sicher kennt? Darf man eine Kirche bauen, bevor man weiß, ob es den Gott überhaupt gibt?. Damit dann Heiner Geißler sagen kann: den Gott muß es geben, denn die, die die vielen schönen Kirchen gebaut haben, können doch nicht alle blöd gewesen sein?
Keine Angst, ich will sie nicht zurückbauen, die oft architektonisch wertvollen Dokumente der Geistesgeschichte. Aber ein Beweis für die Existenz eines Gottes sind sie nun mal nicht. Deshalb schätze ich Gebäude, die der Pflege irrationaler Anschauungen dienen, nur eingeschränkt. Aber sie erfüllen auch soziale Funktionen, oft mehr als alles andere, und geben dem Gläubigen eine Geborgenheit.

Oder übermitteln die Religionen auf irgendeine Weise, die nicht mit Worten ausgedrückt werden kann, vielleicht doch die Wahrheit? Wenn man den ganzen Klimbim - sorry - darumherum mal wegläßt?
Oder gerade damit ?

HvD sieht ein großes "Geheimnis" hinter den Dingen. Der Begriff bedeutet etwas Verstehbares, das uns nur noch "verraten" werden müßte. Doch wenn ein Außerirdischer käme, der uns alle Fragen beantworten kann - wir würden ihn ebensowenig verstehen, wie wir unsere Physiker verstehen, wenn sie über "unanschauliche" Tatbestände reden.

HvD weiß doch ganz genau, daß unser Erkenntnisvermögen begrenzt ist. Warum stellt er, seine eigenen Erkenntnisse ignorierend, trotzdem immer wieder Fragen, die weit darüber hinaus auf die Erkenntnis eines sogenannten Ganzen zielen? Verhält er sich nicht wie eine Fliege, die niemals lernt, daß sie eine Glasscheibe nicht durchfliegen kann? Aber er weiß das doch. Im Gegensatz zur Fliege.

Was ist der Sinn des Lebens eines Menschen oder eines Einzellers? Kann uns das nicht ziemlich egal sein? Ändern können wir daran nun wirklich sowieso nichts.
Machen wir doch erstmal hier "unten" unsere Hausaufgaben!
Und wenn dann noch Zeit bleibt - dann kann man ja mal darüber nachdenken - in einer romantisch-nostalgischen Schummerstunde bei Wein, Kerzenschein und sentimental-depressiver Hintergrundmusik - ob das Ganze vielleicht einen Sinn hat.

Bin ich nun Nihilist? Weil ich die Grenzen des uns Erreichbaren nicht allzuweit überschreiten möchte?

De mortuis nihil nisi bene? Nein. Wenn jemand nicht mehr am Leben ist, unterliegt er denselben Bewertungskriterien wie zu Lebzeiten. Ich besuchte in Potsdan dieselbe Schule wie Hoimar von Ditfurth, nur 15 Jahre später, aber auch den altsprachlichen Zweig. Für mich ist er noch heute ein wertvoller Schriftsteller. Obwohl und weil seine Bücher auch zu Kritik herausfordern.

Peter Niemann , 10178 Berlin.



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