Re: Phänomen Elektromagnetismus-Gehirnströme


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Abgeschickt von Egon de Neidels am 26 Juli, 2008 um 03:38:23:

Antwort auf: Re: Phänomen Elektromagnetismus-Gehirnströme von Walter Keil am 23 Juli, 2008 um 00:17:18:

Hallo Herr Keil,

Danke für die Blumen, aber ich bin nur ein interessierter Laie und kein Mediziner. Es waren v.a. DVD-Vorträge und Bücher von Roth und Singer, die mir ein näheres Verständnis der modernen Neurobiologie erschlossen haben. Was mich aber nach einiger Zeit an deren zweifellos sehr kompetenten Schilderungen anfing zu stören, war der leider immer wieder anzutreffende monistische Materialismus. Gegen eine solche Haltung hatte sich ja auch der in Fragen der Hirnfunktionen als Psychiater allemal kompetente Psychiater Hoimar von Ditfurth ausgesprochen, auf den ich dann mit wohltuender Empfindung zurückgriff. Es wurde mir zu eng im monistisch-materialistischen Weltbild so wie es mir vor zig Jahren einmal zu eng wurde in einer bestimmten (einseitigen) Auffassung des christlichen Glaubens. Wenn man keine Luft mehr bekommt, sollte man auftauchen – möchte ich dazu nur metaphorisch bemerken.

Das Gefühl eines elektrischen Schlages wurde übrigens nur im Gehirn generiert. Selbst bei einem realen elektrischen Schlag ist das so, da diese Wahrnehmung ausschließlich eine Funktion des Gehirns ist. Die Schmerzen, die wir im Körper zu haben glauben, sind Rückprojektionen auf den Ort der Reizentstehung. Dass es im Körper keine Schmerzwahrnehmung gibt, zeigt z.B. jede Regionalanästhesie. Bei einer solchen werden durch ein Medikament die Natriumkanäle der signalweiterleitenden Neuronen im Rückenmark blockiert, so dass ab dieser Stelle keine Depolarisation (Ionenaustausch) mehr möglich ist. Wird man z.B. am Bein operiert, so „funken“ natürlich die Neuronen an den entsprechenden Stellen. Nur kommen die Signale nicht bis zum Gehirn. Das Bewusstwerden von Schmerzen wird ja ohnehin schon bei der klassischen Äthernarkose unterbunden durch Anflutung der höheren Hirnbereiche. Im Prinzip ginge das auch mit Alkohol, nur bräuchte man dazu derart hohe Dosen, dass die Konzentration im Hirn einen dermaßen hohen Wert erreicht, dass auch der Hirnstamm angeflutet würde, was den Tod durch Atemlähmung zur Folge hätte. Anders ausgedrückt: Die Rauschphase bei Alkohol ist extrem lang, während die Komaphase sehr kurz ist – beim Äther ist das umgekehrt. Heute verwendet man komplexere und mildere Narkosemittel als den mit üblen Nachwirkungen behaftete Äther.

Schmerz ist also auch nur eine Sache des Bewusstseins. Folglich ist es auch prinzipiell möglich, über das Bewusstsein nach entsprechenden Übungen Schmerzen auszuschalten. Das kann jeder bessere Yogi. Dennoch ist derlei alles andere als einfach und man sollte nicht auf Scharlatane hereinfallen, die uns für viel Geld weismachen wollen, wir müssten bloß richtig oder überhaupt nicht mehr denken und schon hätten wir auch keine Sorgen, weil ja Sorgen sich in Denkprozessen ausdrücken. Sorgen sind aber nichts anderes als Depressionen und die haben nachweislich ihren Ursprung in nichts anderem als einem Rückgang des Serotoninspiegels. Ein solches Defizit lässt sich zwar auch quasi exogen durch das Vermitteln schlechter Nachrichten herstellen, hat aber oft auch seinen Grund in Stoffwechselstörungen von denen wir nichts mitbekommen. Uns fällt dann nicht einmal auf, dass wir plötzlich selektiv Negatives beachten und zu Pessimismus neigen. Sind wir überdies geniale Menschen, so können wir das alles sogar mit einer Philosophie a la Schopenhauer rationalisieren. Und hebt sich der Level von Dopamin über Gebühr, so landen vielleicht unsere Elaborate in der Sammlung Prinzhorn.

Es ist erschütternd, wie sehr uns nur sechs neuromodulatorische Systeme im Griff haben, wie die aus relativ kleinen Neuronenpopulationen (z.B. Raphekern für Serotonin, Nucleus basalis Meynert für Acetylcholin, usw.) generierten Neuromodulatoren eine solche Macht über unser Gehirn entfalten.

Bei alledem bleibt weiterhin die Frage nach dem Erlebenden. Wer oder was nimmt alle diese Gehirnzustände wahr? Die Zustände selber sind ja chemo-physikalisch hinreichend erklärbar; aber daraus kann man m.E. unmöglich ableiten, was Roth einmal etwas schnoddrig – eher nebenbei - formuliert hat: „Bewusstsein ist Chemie“. Das vermag ich nicht zu unterschreiben und teile nach reiflicher Überlegung (anfangs war ich auch auf der „Materialistenschiene“ ein Stück weit gefahren) eher die Überzeugung Hoimar von Ditfurths; d.h. ich neige vorsichtig zum Dualismus ohne einen „übergeordneten“ aber eher spirituellen Monismus zu leugnen. Mit einem Augenzwinkern stelle ich fest: Da hat er mal wieder richtig gesehen. Und wenn der große Gerhard Roth schnoddrig sein darf, dann darf ich das auch und antworte ebenso schlicht: Alles ist Bewusstsein (womit ich ihm dann sogar auch noch recht gebe, da dann natürlich auch Chemie Bewusstsein ist – aber eben nicht nur oder nur reduziert betrachtet).

Hier nun kommen Ihre Gedanken, lieber Herr Keil, zum Einsatz. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, so sehen Sie im Elektromagnetismus eine Art Noosphäre, einen Kandidaten für das Geistige oder Träger für das Geistige. In der Tat findet sich in der Energie des Sonnenlichtes der Ausgangspunkt für alles Lebendige auf Erden. Von der Photosynthese in den Pflanzen über Rinder bis zum saftigen Steak, mit dessen Verzehr wir unseren Körpern Proteine zuführen, kann man abstrakt von einem Energietransfer sprechen. Nun ist aber Elektromagnetismus im Teilchenbild nichts anderes als der Austausch von Photonen zwischen Elektronen und es gibt ja auch noch anderen Austausch wie zwischen den Quarks (Gluonen) und vielleicht auch zwischen Massen (Gravitonen, Higgsteilchen), usw. Warum sollte also unsere Persönlichkeit sich nur über Photonen ausbreiten können? Ist es nicht eher so, dass die Persönlichkeit verschwindet, wenn wir sie über Teilchen, Felder, usw. definieren wollen? Wir müssten dann doch fragen, wo in dieser Vielfalt von Teilchen, Felder, usw. unsere jeweilige Persönlichkeit anfängt und wo sie endet, sowie weiterhin nach den anderen Persönlichkeiten fragen, mit denen wir leben. Im Grunde ist es dieselbe Frage wie die Frage nach dem Substrat in unseren Gehirnen, welches unsere Persönlichkeit definiert. Wir finden es nicht. Zwar kann man Hypothese an Hypothese reihen – der Durchbruch zu einer befriedigen Antwort will uns aber wohl nicht gelingen. Aber es hält uns in Bewegung und das ist gut so, denn eine Welt voller restlos beantworteter Fragen wäre die Hölle der Langeweile – vielleicht würde sie dann – um mit D. Adams zu sprechen – auch einfach hinweggenommen und durch etwas noch Bizarreres ersetzt : -).

Vielleicht suchen wir auch nach der Geborgenheit in den Dingen dieser Welt – also am falschen Platz, denn darin werden wir sie nicht finden. Denn nicht die Dinge können uns etwas wirklich Gutes geben, sondern nur das Ganze. Dieses aber vermögen wir nicht zu überschauen, zumal uns der anthropozentrische Mittelpunktswahn immer wieder zur irrigen Ansicht verleitet, wir könnten alles erklären. „Ihr werdet sein wie Gott...“ – das war/ist in der Tat die größte Lüge aller Zeiten.

Mit freundlichen Grüssen
Egon de Neidels




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