Re: Überbevölkerung-Wurzel der apokalyptischen Reiter


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Abgeschickt von Heinz Boente am 27 Januar, 2009 um 12:15:14

Antwort auf: Überbevölkerung-Wurzel der apokalyptischen Reiter von Holger Gröschl am 23 Januar, 2009 um 12:59:35:

Hallo Herr Gröschl,

schön, daß Sie sich auch in unserem Forum zu Wort melden. Herzlich willkommen! Bevor ich einige Punkte Ihres ausführlichen Beitrags ergänze, möchte ich eine kleine Korrektur anbringen. Die cleveren Besucher dieses Forums haben das sicher sofort bemerkt, aber dennoch der Sicherheit halber: bei dem Linktipp auf Ihre eigene Internetseite fehlt das ".de", er muß also korrekterweise http://www.naturspektrum.de/text_weltbev.php lauten.

Bei dieser Gelegenheit kann ich auch gleich allen Forumsbesuchern dringend einen Besuch Ihrer wunderschönen Seite empfehlen! Sie ist eine wahre Fundgrube an Informationen und traumhaften Fotos (und außerdem sehr professionell und übersichtlich gestaltet), also nix wie hin!

Nun zum Thema Bevölkerungswachstum, besser: Bevölkerungsexplosion!

Angeregt durch die beiden berühmten (aber - wie das "Apfelbäumchen - leider in Vergessenheit geratenen) Bücher "Global 2000 - Bericht an den Präsidenten" von 1980 und "Die Grenzen des Wachstums" von Dennis Meadows aus dem Jahr 1973 sowie sein Nachfolgebuch "Die neuen Grenzen des Wachstums" von 1992 habe ich mir Anfang der 1990er Jahre das Simulationsprogramm "World3-91" für meinen damaligen (DOS-)PC gekauft, das seinerzeit bei DVA erschienen ist. Mit diesem kleinen Programm kann man auf der Basis von nur wenigen Parametern die Entwicklung unserer irdischen Situation bis zum Jahr 2300 hochrechnen. Es ist natürlich nur ein sehr einfaches Programm, das aber dennoch Trends und Entwicklungen sichtbar macht. Berücksichtig werden dabei Umweltverschmutzung, sich nicht regenerierende Ressourcen, Bevölkerungswachstum, Nahrungsmittelproduktion, Bodenfruchtbarkeit, Landentwicklung/Landverlust, Industrieproduktion, Dienstleistungen und Arbeitsplätze mit jeweils einigen veränderbaren Unterparametern. Der langen Rede kurzer Sinn: egal, welche Parameter man auch verändert, d. h. welche Szenarien man durchspielt, es läuft immer auf zwei Ergebnisse hinaus: 1. Es gibt auf keinem der genannten Gebiete ein unbegrenztes Wachstum und 2. der entscheidende Parameter ist immer die Bevölkerung, genauer: ihre unkontrollierte (exponentielle!) Vermehrung.

Sie haben also vollkommen recht, Herr Gröschl, wenn Sie sagen (Zitat) "Man muss sich die wirklich einzig rettende Strategie - Reduzierung der Überbevölkerung - immer wieder vor Augen führen." (Zitat Ende). Und Ihre Aussage (Zitat) "Ich möchte hier aber trotzdem darauf hinweisen, dass dies auch wieder letztlich nur ein Sekundärproblem darstellt" (Zitat Ende) unterschreibe ich ebenfalls. Die meisten - wenn nicht gar alle - unsere derzeitigen Probleme sind mit etwas Überlegung auf die Überbevölkerung zurückzuführen! Das klingt simpel, aber ich meine, gerade weil unsere Welt und unser Leben so kompliziert und undurchschaubar geworden ist, muß man versuchen, ihre Erklärung auf einfache Aussagen zu reduzieren, da muß ich dem von Ihnen zitierten Hans Jonas ("...dass in einer komplizierten Welt auch die Antworten kompliziert sein müssen") widersprechen --- am Rande bemerkt ein ganz aktuelles Beispiel dazu: "Yes, we can!" Kürzer, Prägnanter, eindringlicher und verständlicher kann man "es" (was immer dahintersteht und damit gemeint sein kann) dem Volke nicht sagen. Ein Satz, wie ihn unsere Kanzlerin beispielsweise gerne äußert "Wir werden eine gemeinsame Lösung finden" versteht sie vermutlich nicht mal selber, geschweige denn die von Ihnen, Herr Gröschl, durch den Mund des "Führers" zitierte blinde und dumme Masse. Das Volk will einfache Antworten, nur laut und deutlich aussprechen muß sie jemand! Und genügend oft.

Ich denke nämlich nicht, daß die Antworten/Lösungen grundsätzlich kompliziert sind. Sie sind vielleicht schmerzhaft und anfangs unpopulär, aber durchaus mach- und durchsetzbar. Jeder sieht es doch: bei halbwegs gebildeten und materiell gesicherten Nationen ist die Geburtenrate rückläufig oder zumindest einigermaßen stabil. Vermehrt wird sich auf Teufel komm' raus doch nur in den sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern. Ich lasse mal zur Verdeutlichung den Satiriker aus mir sprechen: Für je 10 Euro Entwicklungshilfegeld wird ein Empfängnisverhütungmittel mitgeliefert, dessen konsequenter Einsatz durch den Begünstigten nachgewiesen werden muß.

Heute sind es zwar "erst" 6,5, aber im Jahr 2050 wird unsere Erde 9 Milliarden Menschen zu (er)tragen haben. Menschen, die einen berechtigten Anspruch auf sauberes Wasser, ausreichende Nahrung, Unterkunft, Kleidung und - nicht zu vergessen - Bildung haben. All das läßt sich nur durch Arbeit, sprich: Geld erreichen. Und natürlich durch den Verbrauch von Ressourcen jeglicher Art. Beides ist dummerweise nur begrenzt vorhanden (auch erneuerbare und/oder nachwachsende Rohstoffe müssen ja irgendwo herkommen). Ich bemühe dazu eine bekannt Metapher: unsere Erde ist ein Aquarium und jedes Aquarium hat eine begrenzte Aufnahmkapazität. Wenn man mehr Fische hineinsetzt, als die Kapazität zuläßt, werden sie verkümmern oder sich gegenseitig töten (beides findet auf unserer Erde bereits statt.

Interessanterweise wird das, was - mit menschlichen Maßstäben gemessen - nahezu unbegrenzt vorhanden ist, nämlich Sonnenenergie und Erdwärme, derzeit so gut wie überhaupt noch nicht genutzt, aber das ist ein anderes Thema. Bleiben wir bei der Überbevölkerung. Dazu habe ich mal zwei Glossen geschrieben, auf die ich Sie, Herr Gröschl, und alle anderen Forumsbesucher hier hinweisen möchte. Sie finden sie im Internet unter den Adressen

www.heinz-boente.de/wachstum.pdf
www.heinz-boente.de/kindermangel.pdf

Ich freue mich auf Widerspruch und/oder weitere Forumsbeiträge zu diesem Thema, möchte aber zum Schluß unbedingt noch einen Lesebefehl loswerden:

Fair Future - Begrenzte Ressourcen und globale Gerechtigkeit
Ein Report des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie
C. H. Beck Verlag, 2005, ISBN 3 406 52788-4

19,90 Euro, die sich wirklich lohnen!
HB




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