2. Teil --- Sinn & Unsinn von ....


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Abgeschickt von olfd am 07 August, 2008 um 16:32:00

Antwort auf: Re: Palaver: Pro & Contra von ENDE-Büchern (über Endzeit) von Halil Güvenis am 06 August, 2008 um 17:29:18:


2. Teil
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: These: Die Ende-Bücher der 90er Jahre* sind nie über ihre erste Auflage hinausgekommen, und sind somit quasi unbekannt. (* Horstmann 1991, Rieseberg 1992, Fuller 1993, Lauterburg 1998) - Gruhl 1992 hat auch nie eine 2. Auflage erlebt, aber er war immerhin bei RTL-TV und im Spiegel. Ich persönlich würde "Himmelfahrt ins Nichts" auch zur obigen Gruppe der unbekannten und damit wirkungslosen Bücher rechnen.

HG= Sie müssen aber sehen, dass diese Bücher von ihrer Hauptthese her HvDs Bestseller „Apfelbäumchen“ nichts hinzugefügt haben. Ein aktuelles Beispiel für dieses Nicht-Lesen-Wollen war hier im Forum Herrn Pfeifers Äußerung, dass er das Buch von CL nicht erwerben wolle, weil dieser ein Szenario beschreibt bzw. behandelt, von dessen Verwirklichung er ohnehin überzeugt sei.


+olfd+ "Hauptthese"? - Auf mich wirken die Bücher unterschiedlich von ihrer <Chemie> her. Ich habe in den letzten Tagen öfter darin gelesen. Das Apfelbuch wirkt auf mich, als ob der Koffer überfüllt ist -- also zuviel hineingepackt wurde. Andererseits 'fehlt' auch was. Das merke ich dann, wenn ich weiteres Endebuch lese, oder wenn ich gar 'parallel lese' (also mehrere Bücher vor mir habe). Also ein Beispiel wäre, daß FnZ die Organisierte Kriminalität als Zukunftsfaktor benennt. Oder die Rolle von Fernsehen und Internet. - Ebensolche Aspekte kann ich in anderen Endebüchern finden, die zumindestens für ein 'vollständiges Bild' unverzichtbar sind. (Ich kann das in den nächsten Jahren gerne einzeln referieren.) --- Auf jeden Fall verstehe ich, worauf Sie hinauswollen, Herr Güvenis. Etwa: "Endebuch gleich Endebuch" :-)) Oder: "Wer ein Endebuch kennt - der kennt alle Endebücher." -- Aber letztendlich ist die Tat geschehen, das Kind im Brunnen. Ich bin froh darüber, denn ich sehe eine Weiterentwicklung 'von Endebuch zu Endebuch'. (Ich muß aufpassen, daß ich das nicht ins Spaßige ziehe.) --- Also ich stelle mir in dieser Beziehung die (seelische) Zukunft so vor wie 'damals im Gulag': Die Leute werden noch an Stalin glauben, auch wenn sie kurz vor dem Abkratzen sind - und ihn eigentlich verfluchten müßten. Das ist tatsächlich geschehen. Massenhaft. Ein unerklärliches Phänomen!? - Oder nicht? Gestern sah ich eine TV-Doku, die die Reaktion im Inka-Reich auf Pizarro rekonstruiert hat. Menschenopfer (der eigenen Leute) Viele. Immer mehr. Hunderte.

Zu Herr Pfeifer: Das ist doch okay. Es geht doch nicht um die Bebilderung der Zukunft in allen - schrecklichen - Einzelheiten. Sondern um die adäquat-emotionale Verarbeitung, so wie es jeder kann. Und falls Herr Pfeifer schon ein etwas älterer Herr ist (ich weiß es nicht), dann hat er auch genügend Lebenserfahrung, um zu wissen, was allgemein noch von der Menschheit erwartet werden kann (an Gegenmaßnahmen). --- Also ich denke, man kann nur 'ein gewisses Maß pro Jahrzehnt' aufnehmen und verarbeiten. Zumal es schneller ging, als ich vor 10 Jahren, als ich mit FnZ dann dasselbe Bücher-Gesamtschau-Wissen hatte wie jetzt, dachte (hoffen wollte). Ich will sagen: Ich habe das von Anfang an bewundert, wie die Propheten die Zwangsläufigkeit -einiger- Trends und Megatrends darstellten. Sei es Club of Rome, sei es Global 2000 (um nicht immer nur die deutschen Propheten zu zitieren). Also etwa, daß die Bevölkerung zwangsläufig zunimmt. Das kann ich bis heute nicht verstehen. Aber ich las Bücher, die das behaupteten, und es ist tatsächlich geschehen!

"Die Bevölkerung der Erde ist heute bereits auf über 2 ¼ Milliarden angeschwollen; die Bevölkerung Europas hat sich trotz Weltkriegen und Revolutionen in 150 Jahren verdreifacht. Kann die Ernährung dieser gewaltigen Massen, die nach den Berechnungen der Statistiker in absehbarer Zeit 3 Milliarden betragen werden, einigermaßen gesichert werden?" (Osborn 1948)

Also hier sehe ich meine Grenzen. Daher benötigte ich mehrere Endebücher - mit unterschiedlicher <Chemie> bzw. Herangehensweise. Aber sicher: Die Endebuchautoren-Förderer müssen sich noch vor Gott verantworten. In einer "Güterabwägung" ist meine Meinung: Die alltägliche Krepiererei von Menschen mit hellen Augen und hellen Zähnen und hellen Herzen wiegt schwerer als die -unbestreitbare- Tatsache, daß einem Durchschnittsfamilienpatriarchen die Stimmung versaut wird, wenn er erfährt, daß es (auch) mit seinem Clan bald zuende ist. --- Ich denke mal, Herr Güvenis, auf so etwas, eine 'Gegenüberstellung der Werte' wollen hinaus. Oder? -- Weil: Es sind doch letztendlich konkrete Menschen, über die wir reden. Auch die Religionen sind doch ohne ihre Gläubigen gar nicht denkbar. - Ich vermute, Sie haben noch eine Idee 'in petto', die ich noch nicht weiß, also das was sie mit "Allerheiligsten" beschreiben. Aber vielleicht ist hier in einem öffentlichen Forum auch nicht der geeignete Ort, das mitzuteilen - und es sind sicher auch Überzeugungen, die jeder für sich fühlt, und sie auch gar nicht beschreiben kann/will/darf. -- Wie dem auch sei: Wenn wir Menschen für eine erfreuliche Zukunft 'kämpfen' wollen, dann müssen wir zu den Ursachen der gegenwärtigen Lage vordringen - und dazu gibt es nur eine gültige Antwort: Bahro.

(Bahro ist sicher nicht vollständig usw.. Man braucht weiteres Wissen. Aber sein Ansatz unverzichtbar. -- Hier sehe ich auch einen Mangel beim FnZ-Buch. 'Von Bahro her gesehen' kann ich auch FnZ kritisieren, denn "Wunder" ist bei FnZ -langfristig- der einzige Ausweg. Das ist mir zu esoterisch! Sicher: Das käme einem -rückblickend- wie ein "Wunder" vor, wenn die Menschheit sich 'hinsetzt' und ihre Probleme gründlich analysiert. -- Lauterburg verschwendet auch keine Gedanken an eine neue Gesellschaftsordnung. Das finde ich falsch! Er hätte zumindestens ERWÄHNEN 'sollen', daß es VIELE ernstzunehmende Autoren (etwa: Murray Bookchin) gab, die hier über Jahrzehnte geforscht haben. Der Vollständigkeit halber hätte CL das sagen 'sollen'. - Au' gut: Jetzt habe ich doch noch was 'zum meckern' bei FnZ gefunden!! :-))

Meine Bahro-Seite mit LdR: www.rudolf-bahro.de

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: Wenn ich mich zurückerinnere an die Zeit vor 10 Jahren, als der Punkt da war, wo ich den Büchern dann wirklich glaubte - das war natürlich ein Schock - "verheerende", ja!

: Aber ich persönlich bin durchgekommen. Ich bin dankbar für alles (die bösen Bücher - die aber Gutes in mir bewirken, wie Mephisto). Ich kann jetzt genauso leben 'wie vorher'. - Aber Herr Güvenis hat recht: In der Jugend und im Alter kann ein Ende-Buch einen Schock auslösen, der nicht (automatisch) überwunden wird. Das muß ich stehen lassen !!

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Sie müssen die Sache so sehen: Sie haben die Wahrheit, die Sie anfangs schockiert hat, mit der Zeit annehmen können. Das konnten sie aber nur deshalb tun, weil Sie von Ihrer Grundeinstellung her, den Glauben mit sich brachten, man müsse der Wahrheit ins Gesicht schauen, egal wie schockierend diese auch sein mag.

Nur ein Bruchteil der Menschen wird aber imstande sein, so zu handeln wie Sie!
Die allermeisten werden das Aussterben der menschlichen Art als eine grundsätzliche Glaubensfrage betrachten, wo es um das Allerheiligste der Menschheit geht.
Und den Autor, der solche schlimmen Zustände voraussagt, werden sie zum Bösewicht erklären und moralisch zu verurteilen versuchen.

Warum ist aber diese Situation entstanden? Ganz einfach deshalb, weil der Autor des Ende-Buches auf seiner Meinungs- und Redefreiheit insistierend die vielleicht viel grundlegendere Glaubensfreiheit verletzt hat…

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+olfd+ Ja richtig, darauf wollen Sie hinaus. Das lasse ich stehen !! - Es ist sehr entwürdigend und zutiefst kränkend, wenn ich mal sterbe und "weiß", daß meine Kinder und Enkelkinder nicht solange leben wie ich. Überhaupt: Jahrmillionen starben die Menschen in Übereinstimmung mit dem Großen Geist. (Die kulturelle Evolution ist für mich gar nicht denkbar. Warum hätte sich meine Vorfahren denn anstrengen sollen, "ihre Kinder gut zu erziehen" und "aufs Leben vorzubereiten", also kurz: ihr Überlebenswissen - mühsam - weiterzugeben!?) -- Also das gehört irgendwie zum Kern des Menschlichen, daß ich das "Recht" habe, abzutreten, in dem Wissen, 'daß man sich an mich erinnert', oder ich zumindestens Gutes bewirkt habe, ohne daß man mir das zuschreibt. -- Insofern: Die meisten Menschen werden sich 'bis zum Schluß' Hoffnung machen... wollen und können. (Am besten haben es wohl noch die Inder mit ihrem unbedingten Glauben an eine tatsächliche Wiedergeburt.)

Das ist okay !! - Meine einzige Anmerkung: Auf diesem Weg wird nichts aber auch gar nichts und niemals 'zum Besseren gewendet'.


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In diesem Konflikt einen Mittelweg zu finden, ist sehr schwierig.
Die ruhigen, kurzen, besonnenen Sätze von Christoph Lauterburg können vom „Volk“ vielleicht gerade noch geduldet werden.
Aber der Versuch HvDs, die Menschen mit provokativen Sätzen aufzurütteln und auf den Weg der Wahrheit zu bringen, muss von der Mehrheit zwangläufig als die „Hirngespinste eines Todgeweihten“ missverstanden werden.

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+olfd+ Ja gut, aber 'alle beide' dürfen das. Das widerspricht sich nicht. Es gibt ja auch andere (viele!) Bücher, die versucht haben, dem Volk 'netter ins Gewissen zu reden'. - Ich denke: Wichtig ist doch einerseits, daß MIR HvD seine einzigartig-hervorragenden Bücher 'schenken' konnte. (Ich meine jetzt meine 'passive Meinungsfreiheit', oder auch 'Lesefreiheit'.) - Und andererseits ist HvD selbst ja nichts Grob-Schlimmes passiert. Ähnlich wie das Lauterburg-Kollektiv sichert man sich ja im Vornherein in seinem Freundeskreis ab, wenn man sich "weit aus dem Fenster hinauslehnen will". - Und zur Not muß man "den Preis bezahlen" wie Jesus. (Oder andere Freiheitskämpfer.) DAS gehört auch zur Conditio Humana, daß immer Leute gab, die vorgeprescht sind, die - auch - ihre persönliche Berufung und Befriedigung darin gefunden haben, "anders zu sein". (Ich denke an Giordano Bruno, Galilei, Luther, Müntzer, Marx usw. usf) - "Hier stehe ich und kann nicht anders".

Ich wollte noch daran erinnern, daß (ich glaube, daß) das das Apfelbuch 1985 ja nicht durch eine 'Verschwörung' (der Medien?) 'gepuscht' wurde, sondern daß es ein 'echter Bestseller' war, also daß 'ehrlich gekauft' wurde. Warum auch immer. Es muß irgendeinen "Nerv getroffen haben". - Das ist mir deshalb wichtig, weil Maxeiner 1996 das so abkanzelt. (siehe mein Link unten => Speicher HvD-Forum) -- Es muß irgendeinen Unterschied geben zwischen den Nicht-(Best-)Sellern und den "Verkaufschlagern" (Gruhl 1976: 400.000 Stück)


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: Dazu: Die Autoren sind ja keinesfalls 'alleinverantwortlich', denn sie brauchen einen Förderer bei einem Verlag. Fullers Buch wurde in 2 Verlagen herausgegeben. Beim Fischer-Verlag kennen wir seinen Förderer (vermutlich Willi Köhler).
Und das Lauterburg-Buch ist ja eigentlich eine Kollektivarbeit von 4 Frauen, 8 Männern und 5 Doktor-Titeln.

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HG= Das mit dem Lauterburg-Buch ist ja ganz interessant. Wer sind diese Leute? In welchem Verhältnis stehen sie zum Lauterburg-Buch.

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+olfd+ Ich weiß das auch 'nur' aus dem "Dank" am Buchende. Und dann beim 'googeln' nach jenen. Weiter habe ich mich da nicht hineinvertieft. Aber zu meiner These stehe ich: Aus dem Text (FnZ) schlußfolgere ich, daß Lauterburg das zwar endgültig in seinem genial-sprachlichen Stil formuliert hat (auch im Vergleich mit seinem Buch 1978) - aber von den verarbeiteten Fakten her... soviele "Lektoren" hatte, daß das meine These ("eigentlich Autorenkollektiv") Bestand haben wird.


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: Ich will sagen: Das meine ich mit "Team-Ende-Bücher". Das sind ja keinesfalls nur Einzelpersonen. Also könnten wir hier VIELE fragen nach ihrer MOTIVATION, um bei so einem Projekt mitzuwirken.
- Und dabei erfahren wir auch etwas über (ihre) "ethische Prinzipien".

HG= Das wäre eine wunderbare Idee! Interessant wäre auch die Leser der Ende-Bücher nach ihrer Meinung zu fragen und dann beide Meinungen gegenüberzustellen!

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+olfd+ Ja, aber ich meinte das allgemein, nach dem Motto: "Geh' du voran - ich folge!" :-))
Oder anders ausgedrückt: Gerne würde ich solche Untersuchungen und Studien lesen und studieren - aber mitnichten würde ich sie anfertigen wollen. -- Aber andererseits: Unser Palaver hier wird schon gut von Google etc. plaziert (durch ihre erste Überschrift: lauterburg - fünf nach zwölf) -- und eines Tages wird auch mal jemand vom "Autorenkollektiv :-)) Lust haben, was über seine Motivation und / oder seine gutes/schlechtes Gewissen uns mitzuteilen. Und sei es "aus zweiter Hand", also über eine dritte Person. Das wird geschehen! ("Wie von selbst") -- Man kann sie auch bitten, es zu tun. (Emailadressen findet man im Web, etwa bei doppler.de ) -- Aber ich denke: Soweit sind wir noch nicht, um andere zu nerven, denn: Das FnZ-Buch ist vollständig! Wir müßte vorher erst nachweisen, daß dort eine Frage offen geblieben ist, ehe wir die Autoren-Leute nerven, daß nochmal mündlich zu wiederholen, was doch schon "geschrieben steht". - Das ist jedenfalls meine Meinung.

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HG= Ich bin ganz sicher, dass sich die Menschen im Prozess der Bewältigung der Klimakrise ihre globalen und historischen Grundrechte entdecken und entwickeln werden.

Dieses optimistische Schlußwort tut mir gut.
Ich unterschreibe es
und verbleibe mit besten Wünschen
Ihr olfd


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