Re: Autobiografisches zum „Apfelbäumchen“


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Abgeschickt von Walter Keil am 18 Oktober, 2007 um 23:29:12:

Antwort auf: Re: Autobiografisches zum „Apfelbäumchen“ von Rüdiger Koch am 18 Oktober, 2007 um 16:53:09:


Hallo Herr Koch,
ihre Stellungnahme ist wieder einmal von einer gewissen besserwisserischen Wut geprägt, die in mir ziemliche Aversionen weckt. Ihr Waldsterbenfindetnichtstatt-Argument ist nämlich keins, auch wenn Sie es öfters wiederholen.
Das habe ich schon mal widerlegt.
Sie sollten sehen, dass ihre ganze Argumentationskette sehr sehr unsolide ist.
Ihre Argumentation finde ich eher als so aus dem Bauch heraus.

Auch haben Sie Herrn Güvenis wohl missverstanden, der auf kulturelle Erziehungseffekte durch besseres Umweltverständnis setzt.

Herrn Güvenis möchte ich aber auch bescheinigen, dass er eine vage These vertritt, ohne auch nur
ein paar Beispiele für seine These zu bringen.
Gerade die wären aber sehr hilfreich, um diesen Gedanken ernst zu nehmen.

Wie Forumleser vielleicht wissen, setze ich auch auf eine geistige Wende und schätze die Lage aber schon als sehr bedenklich ein. Weil vor allem die USA das ganze Thema noch viel zu wenig beachten. Ich argumentiere mit der rapiden Vernetzung der Welt als möglichen Auslöser von großen geistigen Bewegungen.
Auch wenn Herr Koch seine persönliche "Abscheu" vor Frau Merkel nicht verbergen kann, Sie vollbringt keine Wunder, so finde ich Ihre Leistung aber durchaus anerkennenswert. Sie bringt einige Themen offenbar weltweit voran.
Globalisierung findet eben nicht nur auf der rein wirtschaftlichen Ebene statt, sondern auch auf der geistigen. Hier steht für mich der Einfluss des Internets, der populären Kulturgüter wie Literatur, Film und Musik ganz oben.

Ich denke es ist 1 Minute vor zwölf für die Menschheit.
Herrn Koch wird diese Aussage wohl zu einem neuerlichen Widerspruch mit "Waldsterbenargument" verleiten.

Grüße
Walter Keil

: Hallo Herr Güvenis,

: endlich mal jemand, der Ditfurth nicht alles epigonenhaft nachplappert, wie es leider in diesem Forum üblich ist.

: Das Beispiel Waldsterben belegt, wie sehr die Ökopessimisten, wie Ditfurth, Gruhl etc. damals daneben lagen.

: Was früher der sterbende Wald war, ist heute das sich verändernde globale Klima. Weltuntergangspropheten, so könnte man zynisch diagnostizieren, sind nie um eine neue Katastrophe verlegen.

: So schließen sich dem sauren Regen vergangener Endzeitepochen heute nahtlos die Krokodilstränen unserer Kanzlerin an, mit denen sie gnadenlos unsere Gehirne zu waschen sucht. Als Jeanne d’Arc des Klimaschutzes schreckt sie scheinbar auch vor den ganz großen Tieren, wie Mr. Bush aus Texas, den diversen roten Kaisern von China oder Zar Putin nicht zurück.

: Nur: Krokodilstränen sind es trotzdem, die bei ihrem Geflenne freigesetzt werden. Alibiumweltschutz, der den wahren Charakter ihrer Politik kaschieren soll, darum geht es hier, um nichts sonst.

: Im Klartext: Ich meine ihr 13 Milliarden Infrastrukturprogramm. Umweltzerstörung en Gros, gegen das Ditfurth mit Sicherheit die richtigen Worte gefunden hätte. (Wer's nicht glaubt, der möge noch einmal seine "Innenansichten" lesen, dort geht er explizit auf das Thema Straßenbau ein.)

: Also: Wie Sie sehen freue ich mich einerseits über Ihre kritische Distanz zu dem von H.v.D. Gesagten, stimme diesem aber andererseits auch wieder zu.

: Die Wahrheit ist hier etwas komplizierter als sie es bei oberflächlicher und einseitiger Betrachtung zu sein scheint. Ich glaube letztlich aber Ditfurth mehr als Ihnen, weil ich denke, dass seine evolutionären Betrachtungen im Kern richtig sind.

: Ihre Vorstellung, der Mensch habe auch in seine alltägliche Erlebniswelt einbringen können, was er bis dato nur rein mathematisch erfasst hat, ist nicht richtig. (Letztlich laufen Ihre Betrachtungen ja auf diese Sichtweise hinaus.)

: Quantenphysikalische und relativistische Phänomene verstehen wir noch lange nicht, bloß weil wir ein paar Formeln zur Beschreibung einiger ihrer Teilaspekte gefunden haben.
: Was man im übrigen von einer Physik halten soll, die nicht einmal sagen kann, ob dieser Kosmos nun 13 oder 20 Milliarden Jahre alt ist, die uns aber erklären zu können glaubt, was in den ersten Sekundenbruchteilen nach dem Urknall geschah, das ist mir persönlich keineswegs klar. Von von Ditfurth hätte ich mir hier oft mehr kritische Distanz erhofft, wie sie einem etwa bei Karl Friedrich von Weizsäcker so wohltuend begegnete.

: Die von Ihnen erwähnte kulturelle und gesellschaftliche Evolution greift m. E. auf einer ganz anderen Ebene, etwa bei der Entwicklung ethischer Werte.

: Aber auch daran, dass wir da wirklich weiter kommen habe ich meine Zweifel. Gerade die derzeitige Betonierungswut, mit der z.B. in meiner Heimatregion ein Stück Landschaft nach dem anderen in Industriegebiete verwandelt wird, lässt mich daran zweifeln. Dass in Kohlscher Diktion dergleichen auch noch mit dem Erzeugen „blühender Landschaften“ bezeichnet wird, mutet an wie ein Treppenwitz. Kritik daran finden sie nirgends, auch nicht in diesem Forum. ( Dabei müßte man hier wiederum nur bei v.D. nachschlagen, um sich über die Folgen solchen Tuns zu informieren.)

: Voraussetzung für eine Entwicklung wie sie Ihnen vorschwebt, ist das Vorhandensein einer wirtschaftlich-technische Zivilisation, wie der unseren, oder einer, die ihr zumindest ähnlich ist . Eine destruktive Zivilisation als Voraussetzung zu ihrer Überwindung, hier beißt sich der Hund in den Schwanz.

: Ich persönlich befürchte, dass wenn das mit der Klimakatastrophe wieder „nichts wird“, so wie mit dem Waldsterben, dann verliert die Ökobewegung jedwede Glaubwürdigkeit. Ditfurth, Gruhl , Horst Stern und andere Protagonisten der Ökobewegung gaben uns vor 30 Jahren gerade noch diese inzwischen abgelaufene (oder fast abgelaufene) Frist von 30 (bis max. 40) Jahren bis zum Untergang (man lese es selbst bei den Genannten nach, ich habe es bei Ditfurth und Gruhl erst kürzlich noch einmal getan) .

: Dieser Fahrplan wurde nicht eingehalten, das ist von der Sache her gut, von der Öffentlichkeitswirkung her schlecht.

: Darum sind Ihre Relativierungen so wichtig, bremsen sie doch vielleicht den Defätismus etwas und geben der Ökobewegung ein Stück Glaubwürdigkeit zurück. Dabei werden Sie Ditfurth so schnell nicht widerlegen können, aber Sie können ein wenig Ruhe und Vernunft in die Debatte bringen. Genau das ist es was wir brauchen.

: Rüdiger Koch


:
: : Guten Abend, die Herrschaften,

: : es grüßt Sie Halil Güvenis aus Istanbul.

: : Ich habe den Diskussionsstrang
: : „Wiederentdecken des Apfelbäumchens“ gerade fertig gelesen und wollte folgende autobiografische Geschichte los werden.

: : Ich habe am 19.2.1987 an Herrn Hoimar von Ditfurth einen Brief geschrieben und erläutert, warum ich sein Buch „So laßt uns ein Apfelbäumchen pflanzen – Es ist soweit“ so toll finde, aber dennoch einen Weg sehe, wie sich die Menschheit aus der drohenden Katastrophe retten könne. Ich möchte aus diesem Brief einige Zeilen zitieren. Meine Ausführungen laufen im Wesentlichen auf eine wirtschafts- bzw. kulturtheoretische Kritik hinaus.

: : „(…)

: : Erstes Argument: Sie stützen die Notwendigkeit Ihrer Analyse auf naturwissenschaftlich-technische Argumente. Nun ist es aber bekannt, daß gesellschaftliche Prozesse stark von wirtschaftlichen Entwicklungen abhängen. Da Sie die Wirtschaft explizit nicht in Ihre Analyse einbeziehen, muß man annehmen, daß Sie einen krisenfreien wirtschaftlichen Hintergrund wählen. Sonst müßten sie die Tatsache berücksichtigen, daß die konkrete wirtschaftliche Entwicklung in Ihre Betrachtungen wesentlich eingeht.

: : Nehmen wir jedoch an, daß in dem von Ihnen betrachteten Zeitraum die wirtschaftliche Entwicklung aus systemimmanenten Gründen krisenhaft wird, so wäre der Einfluß der Wirtschaft auf die Politik nicht zu vernachlässigen. (…)

: : Zweites Argument: Den Kernpunkt Ihrer Analyse bildet die Betrachtung, daß die Menschen auf die drohende ökologische und nukleare Katastrophe mit angeborenen Lehrmeistern reagieren werden. „Lehrmeister“ sind für Sie diejenigen Denk- und Verhaltenskategorien, die von unseren Vorfahren auf evolutionärem Wege als Überlebensbedingungen aus der Umwelt extrahiert worden sind. Da jedoch die Umwelt unserer ersten menschlichen Vorfahren der sogenannte Mesokosmos war, sind die in Betracht kommenden Kategorien auf einen anderen Bereich nicht zugeschnitten. Insbesondere sind die Menschen in der durch die drohende Katastrophe gegebenen Landschaft nicht überlebensfähig, weil ihnen die richtigen Lehrmeister fehlen.

: : Gegen diese Argumentation läßt sich zunächst anführen, daß die menschliche Erkenntnisfähigkeit nicht auf den Mesokosmos beschränkt ist. Die Geschichte der Physik hat sich gezeigt, daß der Mensch grundsätzlich neue Erkenntnisnischen (Mikro- und Makrokosmos) erschließen und verstehen kann, obwohl die mesokosmischen Lehrmeister für diese Bereiche nicht konstitutiv sind.

: : Auch die Kulturgeschichte könnte hier Pate stehen. Keine der mesokosmischen Verhaltensnormen konnte sich in der Menschheitsgeschichte durchgehend halten. Eher ständiger Wechsel war zu beobachten.

: : Aus diesen historischen Fakten folgt meines Erachtens, daß die evolutionäre Erkenntnistheorie in der gegenwärtigen Form nicht stimmt. Sie muß derart geändert werden, daß dem Menschen ein erkenntnismäßiger und kultureller Sprung möglich ist, ohne daß gleich die Lehrmeister geändert werden müssen.

: : (…)

: : Je nachdem, was für eine Einstellung man in dieser Frage hat, wird man bei der Einschätzung des Reaktionsvermögens des Menschen auf die nahende Katastrophe zu einem anderen Schluß kommen. Sie sehen im Grunde nur den Artensprung, d. h. die Änderung der Lehrmeister, als einzige Lösung. Ich hingegen sehe aufgrund meines andersgearteten Konzepts auch den Kultursprung ohne die biologische Evolution als eine reale Chance, um aus der Sackgasse herauszukommen.Während der Artensprung in der zur Verfügung stehenden Zeit als unmöglich erscheint, hat der Kultursprung begründbare Realisierungsmöglichkeiten. Hoffen wir, daß der Mensch diese Chance wahrnimmt. (...)“

: : Soweit meine Ausführungen. Natürlich hat Herr Hoimar von Ditfurth auf diesen Brief nicht geantwortet, weil ich zwar einen Lösungsweg, aber keine konkrete Lösung benennen konnte.

: : Mit freundlichen Grüßen

: : Halil Güvenis

: : http://www.amazon.de/Weg-Liebe-Gedichte-Lebensgeschichte-Swedenborg/dp/3929345293




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